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Der Kanton Genf ist bestrebt, die nationale Strategie für Austausch und Mobilität erfolgreich umzusetzen

Ein kühler Morgenwind sorgt dafür, dass wir den Weg vom Bahnhof bis zum Rathaus, wo das Genfer Erziehungsdepartement untergebracht ist, zügig zurücklegen. Weitaus wärmer als das Genfer Wetter ist der Empfang durch die siebenköpfige Delegation, die der Genfer Delegierte für interkantonale Angelegenheiten, Frédéric Wittwer, für den Austausch mit Movetia einberufen hat.

Genf ist der einzige Westschweizer Kanton ohne direkte Grenze zur Deutschschweiz. Trotzdem ist die Sprachenthematik auch der Genfer Politik ein Anliegen. Vom Willen, den Fremdsprachenunterricht zu stärken, zeugen sowohl das neue Genfer Bildungsgesetz von 2015 als auch die Absicht, die Anzahl der Fremdsprachenlektionen zu erhöhen. Zudem darf Genf sich rühmen, mit dem französisch-englischen Bildungsgang für Kaufleute die erste zweisprachige Berufslehre aufgebaut zu haben. Der Kanton ist aber noch weitergegangen und bietet in einzelnen Abteilungen der Orientierungsschule eine Einführung ins Schweizerdeutsche an.

Die Bereitschaft und die Möglichkeiten des Kantons, die nationale Strategie umzusetzen, sind denn auch das wichtigste Gesprächsthema während der Sitzung. Wie lassen sich systemische Mobilitäts- und Austauschprozesse, die nicht allein vom Willen und der Bereitschaft der einzelnen Akteure abhängig sind, in die Lehrpläne einbauen?

Die Genfer Berufsbildung hat eine spezifische Organisation mit geeigneten Programmen aufgebaut, die heute gut im Berufsbildungssystem verankert sind, aber künftig noch weiter ausgebaut werden sollen. In diesem Sinn begrüsst der Kanton die Calls für internationale (aussereuropäische) Pilotprojekte in der Periode 2018–2020, bedauert aber zugleich den aktuellen Mangel an Mitteln für nationale Austauschprojekte. Weiter würden die kantonalen Austausch- und Mobilitätsverantwortlichen es begrüssen, wenn sich das Berufsinformations- und Beratungszentrum Cité des Métiers mit der Unterstützung von Movetia den Fokus auch auf das Thema Austausch und Mobilität legen würde.

Für die Volksschule wünscht sich der Kanton eine Begleitung bei der Umsetzung der nationalen Strategie über mehrere Jahre hinweg unter der Federführung der EDK. Weiter hält es der Kanton für sinnvoll, wenn die Kantone ein Netzwerk und ein System aufbauen, das es letztlich ermöglicht, Austauschaktivitäten schrittweise in die Lehrpläne (Lehrplan 21 und PER) einzubauen. Hier muss Movetia als Plattform dienen, die es den Schulen und Lehrpersonen ermöglicht, Ideen, Best Practices, Instrumente und Tipps auszutauschen – eine nationale digitale Plattform wäre in diesem Sinn wünschenswert. Der Kanton wünscht sich einfache und wirkungsvolle Programme, die Lust machen, sich zu engagieren, ohne aber den Lehrpersonen die Verantwortung für die Gestaltung von Austausch- und Mobilitätsprojekten vollständig aus der Hand zu nehmen. Die Anwesenden erwähnen das Beispiel einer Genfer Schule, die den Schülerinnen und Schülern für die Vorbereitung eines Austauschs mit einer deutschsprachigen Klasse Unterrichtszeit zur Verfügung gestellt hat.

Schliesslich halten die Sitzungsteilnehmerinnen und -teilnehmer fest, dass sie eine starke nationale Kampagne begrüssen würden, die die Öffentlichkeit und Entscheidungsträger (Eltern, Medien usw.) mobilisiert und für die Thematik sensibilisiert. Natürlich müsste eine solche Kampagne auf die Umsetzung der nationalen Strategie und die bereits erwähnten Begleitaktivitäten abgestimmt werden.

Movetia auf Tour de Suisse

In der mehrsprachigen und föderalistischen Schweiz tragen die Kantone die Haupt­verantwortung für das Bildungswesen und sind damit zentrale Partner für Austausch und Mobilität während der Ausbildung. Movetia will 2017 alle Kantone besuchen, um sich über ihre Ziele und Aktivitäten zu informieren und um ihre Erwartungen an die neue nationale Agentur zu erfahren. Gleichzeitig will Movetia die neue nationale Agentur und bestehenden Angebote vorstellen. Bereits hat Movetia die Kantone Freiburg, Uri, Schwyz, Zürich, Bern, St. Gallen, Waadt, Wallis, Basel-Landschaft, Zug, Solothurn, Thurgau, Basel-Stadt, Nidwalden/Obwalden, Jura, Neuenburg, Appenzell, Schaffhausen, Tessin und Luzern.