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Die Tatsache, eine sprachliche Minderheit zu sein, verleiht dem Kanton Tessin Flügel!

Das Tessin ist «Schweizer Meister» bei der individuellen Mobilität in der Berufsbildung.

An einem sonnigen Septembernachmittag findet sich eine Delegation von Movetia im Departement für Bildung, Kultur und Sport in Bellinzona ein, um sich mit dem Kanton Tessin über Austausch und Mobilität zu unterhalten. Regierungsrat Manuele Bertoli betont gleich zu Beginn unseres Treffens, wie wichtig Austausch und Mobilität für die Schweiz sind, die in Sachen Mehrsprachigkeit eine Vorbildfunktion auf der ganzen Welt einnimmt. Dies gilt insbesondere für den Kanton Tessin, wo man  um Sprachkenntnisse nicht herumkommt. So versteht es sich von selbst, dass der Tessiner Bildungsdirektor voll und ganz hinter der Vision und den Zielen der künftigen nationalen Strategie steht. Damit diese Strategie auch erfolgreich ist, braucht es seiner Meinung nach aber normative Massnahmen, zum Beispiel ein interkantonales Abkommen oder Konkordat. Manuele Bertoli sieht aber auch zwei Hürden, wovon eine seinen Kanton betrifft. Der Regierungsrat fragt sich, wie eine echte Austauschkultur zwischen dem Tessin und anderen Kantonen entstehen soll, wenn in den meisten Kantonen immer weniger Italienisch unterrichtet wird. Ein weiteres Problem sieht er in den Schweizer Dialekten, die seiner Meinung nach in der Debatte um das Sprachenlernen zu wenig angesprochen werden.

Tatsache ist, dass das Tessin sprachlich und geografisch relativ isoliert ist. Eine Reise auf die andere Seite des Gotthards ist für die jungen Tessinerinnen und Tessiner keine Selbstverständlichkeit, zur gleichen Zeit aber verreisen sie ins Ausland. Und wie sollen Klassen oder Schülerinnen und Schüler aus anderen Kantonen ins Tessin gelockt werden, wenn die italienische Sprache an Attraktivität verliert? Aus der Diskussion gehen ein paar Lösungsansätze hervor, so etwa der Vorschlag, dass auf kultureller und sprachlicher Ebene gehandelt werden muss. Möglichkeiten wären etwa ein Austausch zwischen Lehrpersonen sowie Veranstaltungen an den Schulen rund um ein spezifisches Projekt, bei denen neue Unterrichtsformate und -modelle ausprobiert werden könnten usw. Das Bundesamt für Kultur bietet verschiedene Massnahmen zur Förderung der italienischen Sprache, die es künftig stärker mit Austausch- und Mobilitätsprojekten zu kombinieren gilt. Allgemein wünscht sich der Kanton mehr Flexibilität bei den Programmen, die von Movetia unterstützt werden. Warum etwa wird der individuelle Austausch auf Schülerinnen und Schüler der Volksschule begrenzt statt auf Mittelschülerinnen und Mittelschüler ausgedehnt? Und wäre nicht etwas mehr Flexibilität beim Programm «Klassenaustausch» angebracht, etwa indem anstelle von zweitägigen Austauschprojekten auch eintägige Projekte finanzielle Unterstützung erhalten?
Trotz der bestehenden Probleme ist das Tessin «Schweizer Meister» bei der individuellen Mobilität in der Berufsbildung, und auch auf der Tertiärstufe braucht der Kanton den Vergleich mit anderen nicht zu scheuen. In diesem Bereich verfügt der Kanton über eine gewisse Erfahrung und über Betreuungsangebote, die sich bewährt haben. Das zeigt, dass die politische und administrative Unterstützung viel zur Förderung der Mobilität beitragen kann.

Schliesslich taucht im Gespräch auch die Frage nach Aufenthalts- und Ausbildungsbewilligungen für ausländische Studierende oder Lernende auf, eine Problematik, die den in diesem Bereich eher restriktiven Kanton besonders betrifft. Movetia ist sich der Problematik bewusst und wird das Thema bei den zuständigen Bundes- und kantonalen Stellen ansprechen. Einige Kantone verfügen bereits über «Best Practices» für Austausch und Mobilität und es wäre interessant, diese den anderen Kantonen aufzuzeigen, damit sie auch dort genutzt werden können.

Mit seinem Wunsch, «die Probleme überwinden zu wollen, vor die uns der Föderalismus stellt», beschreibt Manuele Bertoli am Schluss unseres Treffens kurz und prägnant eine der grössten Herausforderungen, die es im Bereich Austausch und Mobilität zu meistern gilt.

Movetia auf Tour de Suisse

In der mehrsprachigen und föderalistischen Schweiz tragen die Kantone die Haupt­verantwortung für das Bildungswesen und sind damit zentrale Partner für Austausch und Mobilität während der Ausbildung. Movetia will 2017 alle Kantone besuchen, um sich über ihre Ziele und Aktivitäten zu informieren und um ihre Erwartungen an die neue nationale Agentur zu erfahren. Gleichzeitig will Movetia die neue nationale Agentur und bestehenden Angebote vorstellen. Bereits hat Movetia die Kantone FreiburgUriSchwyzZürichBernSt. GallenWaadtWallisBasel-LandschaftZugSolothurnThurgauBasel-StadtNidwalden/ObwaldenJuraNeuenburgAppenzell und Schaffhausen besucht.