Die Verantwortlichen in Liechtenstein und Movetia planen ab 2018 eine engere Zusammenarbeit und haben dafür verschiedene Massnahmen vorgesehen.

Im Rahmen der Kantonsbesuche haben die Mitarbeitenden von Movetia einen kleinen Abstecher in die liechtensteinische Hauptstadt Vaduz gemacht. Der Umweg über Liechtenstein hatte aber mehr als blossen Symbolcharakter, ist das Fürstentum doch eng mit dem Schweizer Bildungssystem verbunden und als EFTA-Mitglied zugleich ins Bildungsprogramm Erasmus+ eingebunden. In dem besonderen «Zwergstaat» mit der «kleinen Hauptstadt» stellt sich gleichzeitig ein Gefühl des Zuhauseseins und des Fremdseins ein.

Für den Betrieb und die Förderung der Erasmus+-Programme ist die liechtensteinische Agentur für Internationale Bildungsangelegenheiten (AIBA) zuständig. Die nationale Agentur hat immer sehr gute Beziehungen zur Schweiz unterhalten, doch leider ist es seit 2014 nur noch sporadisch zu einer direkten Zusammenarbeit gekommen. Die gegenseitige Unterstützung im Rahmen des SAP-Programms hat immer gut funktioniert und beide Parteien sind an einer Fortsetzung und einem Ausbau der Zusammenarbeit interessiert.

Trotz gemeinsamer Interessen und der geografischen Nähe zur Schweiz arbeitet Liechtenstein bei der Organisation und Durchführung von Austausch- und Mobilitätsprogrammen häufiger mit anderen europäischen Ländern (z. B. Frankreich) zusammen als mit der Schweiz. Doch das soll sich künftig ändern, zumal der europäische Rahmen für die kleinen Liechtensteiner Schulen ungeeignet und schwierig zu nutzen ist. Vor diesem Hintergrund würde Liechtenstein ein spezifisches Abkommen oder Programm mit der Schweiz, insbesondere mit dem französischsprachigen Teil der Schweiz, begrüssen. Überlegungen laufen bereits, haben sich bisher aber noch nicht konkretisiert.

Die Zusammenarbeit mit Movetia könnte sich auf die Förderung von Austausch und Mobilität sowie auf die Frage erstrecken, wie das Zielpublikum für Austausch und Mobilität motiviert werden kann. Die Lust auf die Teilnahme an Austausch- und Mobilitätsprogrammen zu wecken, erweist sich als keine leichte Aufgabe, nicht zuletzt, wenn die administrativen oder logistischen Hürden zahlreich scheinen. Der Schlüssel zum Erfolg liegt laut Schulen und Lehrpersonen in einfachen Angeboten, der Bereitstellung von Austausch- oder Kontaktplattformen und der Erarbeitung von geeigneten Hilfsmitteln (didaktische Instrumente, digitale Lösungen usw.).

In der Berufsbildung engagiert sich Liechtenstein recht aktiv. Seit fast 20 Jahren unterstützt das Fürstentum nationale Unternehmen in enger Zusammenarbeit mit Akteuren aus der Wirtschaft bei ihren Massnahmen im Hinblick auf Austausch und Mobilität, etwa mit der Erarbeitung von Karriereprofilen oder durch erleichterten Zugang zu Sprachaufenthalten (Erweiterung der sprachlichen, fachlichen, interkulturellen, sozialen Kompetenzen usw.) für Lernende. Mehr als die Hälfte der liechtensteinischen Lernenden absolviert ihre Ausbildung in der Schweiz und nutzt europäische Angebote, die Schweizer Jugendlichen nicht offen stehen. Auch hier wären spezifische Programme oder Abkommen mit der Schweiz wünschenswert. Die Ausdehnung der bestehenden Austausch- und Mobilitätsprogramme Liechtensteins mit Frankreich und England auf die französisch- und italienischsprachige Schweiz wäre für liechtensteinische Jugendliche sicher interessant. Weiter könnten Jugendliche, die nach der obligatorischen Schule oder der Sekundarstufe II keine Anschlusslösung haben, das «Zwischenjahr» für Austausch- oder Mobilitätsaufenthalte nutzen. Das Projekt «Lehre KV plus», das im Rahmen der KV-Lehre ein Zwischenjahr mit Auslandaufenthalt umfasst, könnte hier als Modell dienen, das die beiden Länder gemeinsam weiterentwickeln könnten. Ebenfalls als Vorlage dienen könnte der im Rahmen der Internationalen Bodensee Konferenz (IBK) durchgeführte Lehrlingsaustausch Xchange.

Die Verantwortlichen in Liechtenstein und Movetia kommen schliesslich überein, dass sie ab 2018 ihre Zusammenarbeit intensivieren möchten. Dafür sind folgende Massnahmen vorgesehen:

  • Entwicklung von Austauschprogrammen zwischen dem Fürstentum Liechtenstein und der Schweiz, insbesondere der französisch- und italienischsprachigen Schweiz;
  • Erweiterung der Angebote und Erleichterung des Zugangs zu Mobilitätsangeboten von Schulen oder Berufsverbänden in der französisch- und italienischsprachigen Schweiz für liechtensteinische Jugendliche;
  • Aktive Teilnahme von Liechtenstein an der Erarbeitung einer Plattform für den Klassenaustausch in der Schweiz, evtl. mit Finanzbeitrag von Liechtenstein;
  • Unterstützung durch Liechtenstein, so dass Movetia besser informiert und besser in die Kooperationsprojekte im Rahmen von Erasmus+ eingebunden ist.
  • Zusammenarbeit bei der Entwicklung und der Förderung des Sprachassistenz-Programms SAP.