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Welcome to Cheltenham – «wo der Pubbesuch Religion ist»


Roger Wohlgemuth hat den Schritt gewagt und ist für neun Wochen nach Cheltenham gereist. Als er 2017 die Lehre beendete, entschied er sich, ein neues Abenteuer anzutreten – ein Praktikum als Informatiker in England. Da er das Reisen liebt und zudem noch neugierig ist, entschied er sich sehr schnell für diese Auslanderfahrung. Die Herausforderung, sich selbständig in einer Sprache durchschlagen zu müssen, die nicht die eigene Muttersprache ist, reizte ihn auf Anhieb. 

Wie sah der Alltag von Roger aus? Er startete den Aufenthalt mit einem dreiwöchigen Sprachkurs. Da die Busse unzuverlässig fuhren, entschied er sich dafür, lieber täglich einen 45 minütigen Spaziergang zur Schule auf sich zu nehmen als mit den öffentlichen Verkehrsmittel zu reisen. Die Schule besuchte er gerne, vor allem da er sich bestens mit seinen Schulfreunden aus der ganzen Welt verstand. Der Fokus des Sprachenunterrichts lag auf dem mündlichen Teil, was Roger zu Gute kam, da ihm vor Antritt des Auslandaufenthaltes die Übung darin fehlte.

Im Anschluss an den Sprachkurs warteten sechs Wochen Praktikum als Informatiker auf ihn. Die Betriebsatmosphäre in England kam ihm allgemein etwas lockerer als in der Schweiz vor und bei Fehlern wurde jeweils Verständnis aufgebracht. In dem eher kleineren Betrieb war ein anderer Informatiker seine Ansprechperson vor Ort und unterstützte ihn bei Unklarheiten. Man arbeitete projektorientiert – die Arbeitszeit war nicht vorrangig, was zählte war, die Arbeit zu erledigen. Die Stimmung war positiv und man tauschte sich auch über Privates aus. Die lockere Atmosphäre vor Ort gefiel ihm gut, dennoch ist er rückblickend froh, in der Schweiz zu arbeiten, - wo zwar seiner Ansicht nach mehr Druck herrscht, gleichzeitig aber zuverlässiger gearbeitet wird.

Während bei ihm alles reibungslos lief, mussten sich manche seiner Freunde vor Ort mit auftauchenden privaten oder beruflichen Problemen herumschlagen. Im Austausch mit den zuständigen Personen konnten jedoch meistens rasche Lösungsansätze gefunden werden.

Leben konnte Roger bei einer englischen Gastfamilie. Bei ihnen fühlte er sich wohl und mit ihnen steht er heute noch in Kontakt. Im nächsten Sommer werden sie die Schweiz besuchen und Roger wird sie am Flughafen willkommen heissen. Allgemein nahm er die Engländer als sehr aufgeschlossen und offen wahr und freute sich auf die für England typischen Pubbesuche, bei denen er sich mit seinen Mitschülern aus aller Welt und den Einheimischen traf. Das Pub entwickelte sich zum Mittelpunkt seiner Auslanderfahrung. Dort traf er Menschen aus Japan, Kolumbien, Oman, Katar, Kuwait sowie England und erfreute sich an der lockeren Atmosphäre. Es war gang und gäbe von fremden Leuten angesprochen zu werden oder selbst auf diese zu zugehen.

Nach eigener Einschätzung konnte Roger fachlich nicht so sehr profitieren, da er hier in der Schweiz sehr gut ausgebildet wurde. Persönlich und in interkultureller Hinsicht gab es aber viel Neues, das er mitnehmen konnte. Er beschreibt sich jetzt nach dem Auslandpraktikum allgemein als offener und er könne besser auf andere Menschen zugehen. Zudem findet er, man wird anderen Kulturen gegenüber toleranter und lernt, Vorurteile abzubauen. Dennoch konnte er ein paar interkulturelle Feststellungen machen:

«Im arabischen Raum treffen überraschend vielfältige Kulturen aufeinander. Es gibt grosse Unterschiede bei Einheimischen aus dem Oman, Katar oder Kuwait.»

 «Kolumbianer sind definitiv sehr direkt.»

«Japaner lachen einfach immer.»

Auch die Vorurteile den Schweizern gegenüber konnte er kennenlernen. Beispielsweise nimmt man Schweizerinnen und Schweizer als reich und intelligent wahr. Zudem wird nicht verschwiegen, dass sich die Aussprache vom Schweizerdeutsch nicht besonders schön anhört.

Auf die Frage, ob er diese Art von Erfahrung weiterempfehlen würde, meint er sofort: «Auf jeden Fall. Ich bin offener und selbständiger, zudem bin ich beim Englisch sprechen viel selbstbewusster. Ich habe ein Verständnis für andere Kulturen entwickelt.» - und fügte schmunzelnd hinzu: «Ich konnte feststellen, dass der Pubbesuch in England wie eine Art Religion ist.» Beim nächsten Mal würde er gerne in eine grössere Firma gehen, um nochmals eine andere Welt kennenzulernen. Ob es bei einem weiteren Auslandaufenthalt aber erneut England wäre, bleibt offen. «England war schön, aber es hat wirklich oft geregnet – noch öfters als in der Schweiz..»