Aline Schmid und Flavio Keller haben während ihres Studiums beide ein Semester im Ausland verbracht und sehen die dabei gemachten Erfahrungen als klares Plus in ihrem CV. Eine Ode an interkulturelle Begegnungen und Vorlesungen abseits der heimischen Universität.


Eigentlich war Aline Schmid 2003 vorbildlich auf ihr Austauschsemester vorbereitet. Doch dann wurde aus Amsterdam plötzlich Lissabon und vorbei war es mit der Nützlichkeit des im Vorfeld besuchten Holländischkurses. Missen indes möchte sie den damaligen Sprung ins kalte Wasser nicht, ganz im Gegenteil. «Zu merken, dass man sich in einer fremden Stadt – damals notabene weit entfernt vom heutigen Habitus der Trenddestination – ohne jegliche Kenntnisse der Landessprache durchschlagen kann, stärkt einen ungemein. Zudem ist man viel näher an Sprache und Kultur dran, wenn man sie sich im täglichen Leben aneignet.» Allesamt Pluspunkte, von denen die Filmproduzentin Aline Schmid bis heute profitiert. Als Inhaberin von Beauvoir Films ist sie in viele filmische Projekte involviert und oft im Ausland unterwegs. Unvorhergesehenes wirft sie dabei dank ihrer gut trainierten Problemlösungskompetenz kaum je aus der Bahn. «Neben den Sprachkenntnissen erweisen sich hier auch die vielfältigen interkulturellen Begegnungen und meine über die ganze Welt verteilten Kontakte als sehr hilfreich.» Ganz gleich, wohin es Aline Schmid verschlägt, sie kennt am jeweiligen Ort fast immer jemanden aus ihrer Austauschzeit.

Die Auslandserfahrung bringt Pluspunkte für den CV

Eine internationale Vernetzung, die sie mit Flavio Keller teilt. Auch er pflegt in verschiedenen europäischen Städten Kontakte aus seiner Zeit in Göteborg Ende 2016 und erwähnt im Gespräch mehrmals die kulturelle Bereicherung, die eine solche Mobilität mit sich bringt. «Durch den steten Austausch mit Menschen aus anderen Kulturen entwickelt man ein besseres Verständnis für andere Ansichten und Einstellungen. Das heisst nicht, dass ich diese dann auch gutheisse. Aber ich kann sie zumindest besser verstehen und nachvollziehen.» Eine Kompetenz, die ihm im internationalen Umfeld der Informatik und im Privatleben gleichermassen zugutekommt. Sowohl Aline Schmid als auch Flavio Keller sind denn auch überzeugt, dass ein Austauschsemester im CV wertvoll ist. Zwar war die Zeit im Ausland bisher weder hier noch da je das ausschlaggebende Kriterium, dennoch, so Flavio Keller, «zeugt eine solche Erfahrung von einer bestimmten Geisteshaltung, von Selbstvertrauen und einer grundsätzlichen Offenheit gegenüber Neuem und Unbekanntem. Das sind Skills, die Arbeitgebende gerne sehen.»

Mehr als nur Soft Skills

Neben diesen überfachlichen Qualifikationen, die sich vor allem auf dem sozialen (Berufs-)Parkett auszahlen, kreative Lösungswege fördern und die Entscheidungsfreude stärken, konnten die Beiden auch viel Handfestes nach Hause nehmen. In Schweden etwa warteten spannende Einblicke in andere akademische Systeme und ein Schnellkurs in Allgemeinbildung auf Flavio Keller. «Statt Prüfungen am Ende des Semesters oder Studienjahres absolvierte ich mein Semester in Göteborg in verschiedenen Blöcken, die jeweils mit einer Prüfung abgeschlossen  wurden. So arbeitet man sich von Fach zu Fach und kann ganz in die jeweilige Materie eintauchen.» Durch den Fokus auf Wirtschaftsfächer statt Wirtschaftsinformatik an sich verbesserte Flavio Keller überdies sein Gespür für Zusammenhänge und stärkte gleichzeitig seine ökonomische Allgemeinbildung, «auch das Souvenirs, die ich nicht missen möchte», so sein Fazit. Bei Aline Schmid wiederum lag der Schwerpunkt in Lissabon viel stärker auf der Praxis als im Studium zuhause, zudem brachten Vorlesungen in Kulturmanagement neue Inputs, die sie bis heute prägen. «Der Blick über den Tellerrand der Gesellschaftswissenschaften hinaus hat viel ausgelöst und massgeblich dazu beigetragen, dass ich nach Studienabschluss im Kulturbereich Fuss gefasst habe. So gesehen hat mir das Austauschsemester den Weg sowohl in die Filmbranche als auch in die Selbständigkeit gewiesen.»

Mit Movetia ins Ausland

Movetia ist die nationale Agentur für Austausch und Mobilität. In Zusammenarbeit mit den Schweizer Institutionen der Tertiärstufe setzt sie das Swiss-European Mobility Programme SEMP als Bestandteil des Schweizer Programms zu Erasmus+ um. Dieses richtet sich an Studierende, die während ihres Studiums ein oder zwei Semester im europäischen Ausland verbringen wollen. Die Studienleistungen, die sie dort an einer Partnerinstitution erbringen, können sie sich nach ihrer Rückkehr in die Schweiz anrechnen lassen. Zudem besteht die Möglichkeit, als Studierende/r ein Praktikum zu absolvieren. Movetia unterstützt alle Programmteilnehmenden mit einem Zuschuss zur Co-Finanzierung der durch die Mobilität entstehenden Mehrkosten. Für mobilitätsinteressierte Studierende ist das International Relations Office ihrer Heiminstitution dierichtige Adresse. Hier werden sie über die verschiedenen Mobilitätsmöglichkeiten informiert und mit allen nötigen Unterlagen ausgestattet.