Eine Sprachassistenzlehrperson an der Schule – was bringt das? Das haben sich zwei angehende Lehrpersonen im Rahmen ihrer Masterarbeit an der PH Bern gefragt. Beide waren selber einmal Sprachassistentinnen. Sie trieb unter anderem auch die Frage um, worauf sie besonders achten sollten, wenn sie selber später einmal mit einer Sprachassistenzlehrperson zusammenarbeiten werden. Auch den Gründen, warum es an der Sekundarstufe I nur wenige Sprachassistenzstellen gibt, sind die beiden Forscherinnen nachgegangen.  

Schülerinnen und Schüler erhalten dank Sprachassistenzlehrpersonen einen neuen Zugang zur Fremdsprache: sie lernen eine Person aus einem Land kennen, in dem die zu erlernende Sprache gesprochen wird. Es ist das erste Mal, dass eine wissenschaftliche Arbeit der Frage nachgeht, wie Schülerinnen und Schüler ihre Stunden, die sie mit einer Sprachassistenzlehrperson verbringen, insbesondere auch deren Nutzen, beurteilen. Die beiden Autorinnen stellen ihre Arbeit auch in Zusammenhang mit dem Ziel des Lehrplans 21 und des Passepartouts nach Förderung von authentischem Lernen und funktionaler Mehrsprachigkeit. 258 Lernende des Fachs Englisch, Französisch und Spanisch im Alter von 13 bis 20 Jahren haben sich die Zeit genommen, einen umfangreichen quantitativen Fragebogen zu beantworten. 

Fazit

Die Zielsetzungen der Sprachassistenzen an Schweizer Gastschulen decken sich weitgehend mit jenen der Lehrpläne 21 und Passepartout. Der Einsatz von Sprachassistenzlehrpersonen aus anderen Ländern - alles Native Speaker - ermöglicht einen Zugang zur Lebenswelt der Lernenden, steigert die Lernmotivation und fördert das interkulturelle Lernen. Die Realität ist allerdings vielschichtig. Interkulturelles Lernen beispielsweise ist anspruchsvoll und voraussetzungsreich. Die Ansprüche an Sprachassistenzlehrpersonen, Lehrpersonen und Schülerinnen und Schüler sind hoch. Hinzu kommt, dass viele der befragten Lernenden bereits über eine hohe Motivation verfügen. Wie kann man diese noch steigern? Laut Aussagen der Lehrpersonen verbringen die Lernenden im besten Fall eine Stunde pro Woche mit ihrer Sprachassistent/-in. Dennoch entstand global betrachtet ein positives Bild. Die grosse Mehrzahl (88 %) der Befragten empfiehlt das Sprachassistenzprogramm weiter. Der meist mündlich geführte Unterricht mit den Sprachassistenzlehrpersonen hilft beispielsweise, Sprachhemmungen abzubauen. Auch die lockere Atmosphäre wird geschätzt.

Keine Anstrengung gescheut

Zusätzlich zu der quantitativen Umfrage, haben Urben und Helmle zwei qualitative Interviews mit Lehrpersonen geführt, welche über Erfahrung mit Sprachassistenzlehrpersonen verfügen. Die Perspektive der Lehrpersonen bestätigt den Nutzen für die Schülerinnen und Schüler: «Es gehen eigentlich die meisten „mega“ gern zu ihnen.» Selbst dann, wenn die Mentorin selber nicht so zufrieden ist mit der Assistenzlehrperson, was manchmal, aber selten, auch vorkommt. Wichtig ist, dass der Unterricht nicht langweilig ist. «Die Schüler finden es eigentlich immer "lässig"».

Ob die Assistenzlehrpersonen vor allem den stärkeren oder den schwächeren Schülerinnen und Schülern zu Fortschritten verhelfen, wird unterschiedlich beurteilt. Manchmal können diese Lektionen ganz einfach dazu beitragen, Blockaden zu lösen. Es kommt auf jeden Fall immer wieder vor, dass Lehrpersonen beobachten, dass ein Schüler einen „Mega-Gump“ gemacht hat.

Sprachassistenzen sind auch eine Bereicherung für die Lehrpersonen selber. Native Speakers sind Referenzpersonen, die man nach einer korrekten Schreibweise oder Auskunft fragen kann, wenn man gerade unsicher ist. Geschätzt wird auch die andere Sichtweise: «dies finde ich extrem bereichernd» oder der soziale Aspekt, gemeinsame Unternehmungen in der Freizeit, zum Beispiel.

Wichtiger Erkenntnisgewinn

Die Masterarbeit zeigt aber auch wichtige Punkte auf, die beachtet werden sollten, damit das ganze Potential von Native Speakers genutzt werden kann. Beispielsweise eine gezielte Vor- und Nachbearbeitung zur Thematik „Interkulturelles Lernen“, oder vermehrter Einsatz von Materialien aus dem Herkunftsland. Die Arbeit füllt ausserdem wertvolle Forschungslücken rund um das Sprachassistenzangebot von Movetia: Die Befragung der Fachschaftsverantwortlichen, welche im Jahr 2015 von der Vorgängerorganisation ch Stiftung durchgeführt wurde, oder die jährlichen Befragungen der Sprachassistent/-innen. Die qualitativen Interviews der Masterarbeit liefern unter anderem Details zu den verschiedenen Aufgaben der Mentorinnen und Mentoren bzw. Fachschaftsverantwortlichen: Auswahl, Planung, Ankunft und Unterricht. Deutlich wird auch der Wille, weiterhin auf dieses Modell zu setzen: «Sprachassistenzlehrpersonen sind auch ein gutes Label für die Schule» auf das man stolz ist: «He wir haben dann im Fall noch einen Assistenten!»

Ausblick

Die Autorinnen haben viel Datenmaterial gesammelt und auch von Verantwortlichen von Movetia Informationen eingeholt. Dennoch kann die zweite Fragestellung der Masterarbeit - warum es nur wenige Sprachassistenzen auf der Sekundarstufe I gibt - nicht eindeutig beantwortet werden. Urben und Helmle ist es ein persönliches Anliegen, dazu beizutragen, dass künftig auch jüngere Schülerinnen und Schülern mit einem englischen Sprachassistenten britische Serien anschauen und diskutieren oder mit französischen Assistenten die Zutaten für ein Ratatouille auf dem Markt einkaufen können.

Die Studie trägt zweideutige Vermutungen zum möglichen Nutzen auf der Sekundarstufe I zutage. Während die befragten Lehrpersonen meinen, die Fremdsprachenkenntnisse von jüngeren Schülerinnen und Schülern wären nicht gut genug, um von den Sprachassistenzlehrpersonen zu profitieren, gibt es Grund zur Annahme, dass gerade das spielerische Lernen bei jüngeren Schüler/-innen gut ankommen könnte.

Laut den Autorinnen der Studie wäre es von Interesse zu ermitteln, ob und inwiefern sich die Wahrnehmung der Zusammenarbeit mit der Sprachassistenz stufenspezifisch unterscheidet. Datenmaterial ist reichlich vorhanden. Seitens Movetia sind zurzeit Diskussionen um eine Erweiterung der Assistenzen bereits im Gang.

Neuer Rekord der Sprachassistenzen an Schweizer Schulen

Die Fakten von Movetia sprechen eine deutliche Sprache: Schulen, die einmal eine Sprachassistenzlehrperson anstellen, werden zum „Wiederholungstäter“. In diesem Jahr hat die Zahl der Assistenzen einen Rekord von 68 Stellen erreicht. Auch immer mehr Berufsfachschulen setzen auf dieses Modell. Im Schuljahr 2018/19 arbeiten zudem fünf Auslandschweizer/-innen, eine neue Zielgruppe, an Schweizer Gastschulen.