Auch nach dem Brexit sind Bildungsaufenthalte im Vereinigten Königreich weiterhin möglich – mit neuen Einreise- und Aufenthaltsbestimmungen. Hier finden Sie eine Zusammenfassung der neuen Regelungen.


Der Austritt des Vereinigten Königreichs (UK) aus der EU ist erst wenige Wochen her, entsprechend sind noch nicht alle Details geklärt. Bereits bewilligte Austauschprojekte können stattfinden, neue Projekte können im aktuellen Projektaufruf beantragt werden – es gelten jedoch neue Einreise- und Aufenthaltsbestimmungen. Movetia setzt sich in ihrem Kompetenzbereich dafür ein, möglichst pragmatische Lösungen für die offenen Fragen zu finden, damit Austausch und Mobilität zwischen der Schweiz und dem Vereinigten Königreich wie bisher stattfinden können. Auf dieser Seite finden Sie aktuelle Informationen für den Austausch mit dem Vereinigten Königreich.

Was ändert sich mit dem Brexit?

Das Vereinigte Königreich hat per Ende 2020 die EU definitiv verlassen. Das bedeutet, dass die Vereinbarungen zwischen der Schweiz und der EU nicht mehr für das Vereinigte Königreich gelten, neue werden teilweise erst ausgehandelt. Im Bereich Austausch und Mobilität ist insbesondere die Personenfreizügigkeit betroffen: es gelten neue Einreise- und Aufenthaltsbestimmungen, für gewisse Aktivitäten sind Visa nötig. Austausch und Mobilität mit UK sind aber weiterhin möglich.

Für die Einreise gilt: Es wird ein Pass benötigt (ID Karte wird nicht mehr akzeptiert) und zudem kann eine Studienbestätigung der Universität oder Schule bzw. vom Arbeitgeber verlangt werden.

Was ändert sich mit dem britischen Austritt aus Erasmus+?

Mit dem Ausstieg aus der Europäischen Union verlässt das Vereinigte Königreich auch das Erasmus+ Programm. Auf den letzten Metern der Verhandlungen verkündete der britische Premier Boris Johnson, aus dem europäischen Bildungsprogramm auszusteigen. Die laufenden Projekte mit UK können zu Ende geführt werden.

Das Vereinigte Königreich wird zukünftig ein eigenes Programm implementieren. Das sogenannte Turing scheme soll jährlich etwa 35.000 Studierenden aus dem Vereinigten Königreich weltweite Auslandsaufenthalte ermöglichen, voraussichtlich auch in der Schweiz. Eine Unterstützung der Incoming-Mobilität, d.h. von Teilnehmenden, die einen Aufenthalt im Vereinigten Königreich realisieren möchten, ist im Turing scheme nicht vorgesehen. Für das neue Programm hat die Regierung bereits 100 Millionen Pfund zur Verfügung gestellt. Eine Ausnahme gibt es für Nordirland: Die irische Regierung möchte die Teilnahme Nordirlands am Erasmus+-Programm weiterhin finanzieren.

Finanziert Movetia weiterhin Bildungsaufenthalte im Vereinigten Königreich?

Für die laufenden Projekte und den aktuellen Projektaufruf 2021 des Schweizer Programms zu Erasmus+ ändert sich vorübergehend nichts. Mobilität von und ins Vereinigte Königreich werden weiterhin gefördert. Auch das Sprachassistenzprogramm wird zwischen der Schweiz und dem Vereinigten Königreich weitergeführt.

Für die Folgejahre werden SBFI und Movetia neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit dem Vereinigten Königreich ausloten, der gesetzliche Rahmen dafür besteht (Bundesgesetz über die Internationale Zusammenarbeit und Mobilität in der Bildung BIZMB).

Studieren und lernen im Vereinigten Königreich: was gilt?

Wer weniger als sechs Monate an einer britischen Hochschule studiert oder eine Schule besucht, braucht auch in Zukunft kein Visum. Allerdings ist der Aufenthaltszweck klar auf das Studium begrenzt: Es ist nicht gestattet während des Aufenthaltes einer bezahlten oder freiwilligen Tätigkeit nachzugehen.

Wer länger als 6 Monate im Vereinigten Königreich bleiben will, muss seit dem 1. Januar 2021 ein Studierendenvisum beantragen. Um eine solche Aufenthaltsgenehmigung zu bekommen, muss eine Zusage für einen Studien- oder Schulplatz an einer auf dieser Liste aufgeführten Schule oder Hochschule eingereicht werden. Ausserdem müssen ausreichende finanzielle Mittel für den Aufenthalt sowie gute Englischkenntnisse nachgewiesen werden. Der Visumsantrag kann online ausgefüllt werden und kostet 348 britische Pfund. Wer ein Visum hat, muss zudem eine immigration health surcharge für den Zugang zum NHS, dem öffentlichen Gesundheitsdienst, zahlen. Für Studierende und Schüler/innen beträgt die Gebühr jährliche 470 britische Pfund.

Für minderjährige Schüler/innen und Student/innen, die zwischen 4 und 17 Jahre alt sind, muss ein Kinder Studentenvisum beantragt werden. Zusätzlich zu den oben genannten Nachweisen braucht es das Einverständnis der Eltern.

Für Sprachaufenthalte, welche zwischen 6 und 11 Monate dauern, wird ein Kurzaufentahltsstudienvisum benötigt. Die Kosten betragen 186 britische Pfund sowie dieselben Gesundheitsgebühren von 470 britischen Pfund.

Wie sind Kurzaufenthalte von Lehrpersonen und Personal von Bildungsinstitutionen geregelt?

Ein Aufenthalt im Rahmen einer Personalmobilität ist bis zu maximal einem Monat ohne Visum möglich. Für detaillierte Informationen konsultieren Sie folgende Webseite: Check if you need a UK visa.

Zugang zum britischen Arbeitsmarkt: Berufs- und Hochschulpraktika

Für Praktika und Berufspraktika im Vereinigten Königreich wird ab 2021 ein Tier 5 temporäres Arbeitsvisum benötigt. Eine Bedingung des Visums ist ein Britischer Sponsor für das Praktikum. Für Mobilitäten im Rahmen des Erasmus+ Programmes kann der British Council ebendieser Sponsor sein. Hingegen ist diese Lösung für Mobilitäten aus der Schweiz bisher nicht möglich. Gespräche für eine vereinfachte bilaterale Lösung laufen zwischen der Schweiz und dem Vereinigten Königreich. Sobald die Ergebnisse der ersten Erfahrungen vorliegen, werden wir die Prozesse kommunizieren, die befolgt werden müssen, um Zugang zum Arbeitsmarkt zu erhalten.

Zugang zum britischen Arbeitsmarkt: brauchen Sprachassistentinnen und Sprachassistenten ein Visum?

Auch für Sprachassistenzen im Vereinigten Königreich wird neu ein Tier 5 temporäres Arbeitsvisum benötigt. Das Visum muss vom British Council unterstützt werden. Es kann frühestens 3 Monate vor dem Aufenthalt beantragt werden und kostet 244 britische Pfund. Wer ein Visum hat, muss zudem eine immigration health surcharge für den Zugang zum NHS, dem öffentlichen Gesundheitsdienst, zahlen. Für Tier 5 Visa-Träger beträgt die Gebühr jährliche 624 britische Pfund (nur falls der Aufenthalt länger als 6 Monate dauert). Die Dauer des Visums ist maximal 24 Monate.

Welche Regelungen gelten für britische Mobilitäten in die Schweiz (Incoming)?

Das Ende der Personenfreizügigkeitsabkommen zwischen der Schweiz und dem Vereinigten Königreich hat auch Auswirkungen auf die Incoming-Mobilitäten. Britische Mobilitäten in die Schweiz fallen neu in die Drittstaaten-Kategorie, es müssen Aufenthalts- und Arbeitsbewilligungen beantragt werden.

Konkret bedeutet dies für Studierende und Schüler/innen aus dem Vereinigten Königreich:

  • Kürzer als 3 Monate: Für Britische Bürger/innen ist Einreise visafrei möglich und eine Aufenthaltsbewilligung wird nicht benötigt.
  • Länger als 3 Monate: Für Britische Bürger/innen ist Einreise visafrei möglich. Nach Erhalt der Zulassungsbestätigung der Schule oder des Bildungsinstituts muss bei der zuständigen kantonalen Behörde vor oder nach Einreise in die Schweiz eine Aufenthaltsbewilligung beantragt werden. Dafür müssen diverse Bedingungen erfüllt sein: namentlich muss die Bestätigung der Schule oder des Bildungsinstituts vorliegen, ausreichende finanzielle Mittel, eine angemessene Unterbringung müssen nachgewiesen werden, und ein persönlicher Studienplan und ein Lebenslauf eingereicht werden. Zudem muss die Person über eine Krankenversicherung verfügen. 

Für Praktikant/innen und Sprachassistent/innen:

  • Eine Aufenthalts- und Arbeitsbewilligung ist unabhängig der Dauer notwendig.
  • Alle Praktika, Berufspraktika, Freiwilligeneinsätze und unbezahlte Arbeit fallen in diese Kategorie.
  • Der Arbeitgeber muss bei den zuständigen kantonalen Behörden eine Arbeitsbewilligung beantragen. Die Kosten variieren je nach Kanton. Nach Ankunft in der Schweiz muss sich die Person binnen 14 Tage auf der Gemeinde registrieren (der Wohnort sollte im Kanton des Arbeitsplatzes sein). Dabei wird der Arbeitsvertrag, der Reisepass sowie eine Bestätigung einer Krankenversicherung verlangt.

Für die Teilnahme an Konferenzen, Weiterbildungen und ähnlichen Veranstaltungen, die weniger als drei Monate dauern, wird keine Einreise- und Aufenthaltsbewilligung benötigt.